Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 8 von 8

Also, 1994 lösten wir unsere Einrichtung auf und organisierten den Kauf eines größeren Schiffes. Wir suchten ein Schiff und die „Platessa von Esbjerg“ fand uns. Ebenso wie die Ruth ein dänischer Haikutter, jedoch zweimastig als Ketsch getakelt und einer ‚Länge über Alles’ von knapp fünfundsiebzig Fuß. Offizielle Übergabe war am ersten Mai 1995 auf den Ochseninseln in der Flensburger Förde. 

Die „Jungfernfahrt“ führte direkt nach Flensburg, um die aller erste Crew an Bord zu nehmen. Die Bewohner von „Haus Arild“ waren die Mutigen.

Wenn ich heute so auf mein Leben zurückblicke, so zieht sich ein „sinniger“ roter Faden bis 1995 hindurch. Der ‚große Meister’ hat gesagt: „Seemann bist Du von Geburt an und sollst es auch wieder werden. Aber wann und wie bestimme ich!“ Alles bisher Erlebte war immer nur eine Vorbereitung auf das, was noch kommt. In meinem Fall sollte es das pädagogische Segeln auf der Platessa sein. Mit den unterschiedlichsten Segelcrews: von seelenpflegebedürftigen Kinder, über „Blinde Passagiere“, Jugendgruppen und Schulklassen unterschiedlichster Couleur, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Familien, Kirchengruppen und Hochzeitsgesellschaften bis hin zu für den Schiffsunterhalt nicht zu vermeidenden rein kommerziellen Törns auf großen Veranstaltungen wie der Kieler Woche, hatte alles seinen Platz.

Schmied, Soldat, Kfz-Mechaniker, Maschinenbauer, Hilfsarbeiter, Fußpfleger, Rettungsschwimmer, Bademeister, Investmentberater, Versicherungs- und Immobilienmakler, Einrichtungsleiter, Arbeitsloser, Seemann, Pädagoge und Familienvater. Alle bisherigen Erfahrungen, ebenso wie dadurch erworbenen Menschenkenntnis formten mich und helfen mir bei meiner jetzigen Arbeit ungeheuer. Ich musste wohl erst ein gewisses Alter erreichen, um diese Zusammenhänge erkennen zu können. Solange ich diese Arbeit insbesondere mit den Schülerinnen und Schülern, sowie den seelenpflegebedürftigen Menschen noch durchführen darf und kann, hat mein Leben einen besonderen Inhalt.

Inzwischen trägt sich das Konzept des Vereins sehr gut. Mittelpunkt allen Treibens ist die Platessa als Basis sämtlichen Tuns. Da drum herum unterstützen den Verein circa einhundertundzwanzig, meist aktive Mitglieder jeder Alters- und Sozialstruktur, die auf der Platessa ein zweites Zuhause gefunden haben. Viele engagieren sich handwerklich bei der Erhaltung des Schiffs. Erfahrene Mitglieder bemühen sich intensiv um die Ausbildung interessierter Bootfrauen und –Männer, welche auf den Törns den Skipper als Stammcrew unterstützen. Ein wichtiger Aspekt ist die Einzelbetreuung auffälliger Jugendlicher, welche eine gewisse Zeit an Bord leben und arbeiten können um dadurch ihren Weg zu finden. Immer, wenn die Platessa irgendwo an der Pier liegt, vor allem während der langen Wintermonate im Heimathafen Eckernförde, dient sie als Begegnungsstätte. Jeder ist willkommen! Inzwischen hat auch das Projekt um die Begegnung ‚Drei Generation’ an Bord wieder einen hohen Stellenwert zurück erhalten.

Ich schaue gelassen in die Zukunft!

In diesem Sinne „Mast und
Schotbruch und immer eine Hand breit Wasser unter dem Kiel!“

Ewald Huß

1. Vorsitzender
Lebensgemeinschaft Eiderdrift e.V.
Abteilung Erlebnissegeln 
+ Rentner

Überarbeitet von Mark Schlüter