Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 7 von 8

Auf diese Weise kam ich mit der Anthroposophie in Berührung. Wir nahmen sehr intensiv an dem Schulalltag teil. Dies hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. 

Und wie stand es inzwischen mit der Seefahrt? Gelegentlich lud man mich zum Segeln auf eine Yacht ein. Des Weiteren stellte die tägliche Querung des Nord-Ostseekanals eine besondere Atempause für mich dar. Eine Besonderheit waren allerdings die Segeltörns mit Kapitän Pieper auf der Jachara. Auf dem diakonieeigenen Schiff machte ich meine ersten Schritte in die Welt des Traditionssegelns.

Die Maklerei ist schon eine besondere Szene. Der Umgang mit den Menschen und Geschäften war immer wirtschaftlich geprägt. Banken verführen die Leute zu sehr wagen Baufinanzierungen, was nicht wenigen schon zum Verhängnis wurde. Meine Aufgabe bestand unter anderem auch darin, die Familien zum Verkauf ihrer mühsam gebauten Häuser zu bewegen, möglichst vor der Zwangsversteigerung. 

In den Jahren nach 1980 gab es wieder einmal eine wirtschaftliche Rezession. Immer öfter hörte man von Entlassungswellen, die Arbeitslosenzahl nahm sichtbar zu und die wagen Finanzierungen brachen jetzt immer häufiger wie Kartenhäuser in sich zusammen. Oft blieben nichts weiter als zerrüttete Familien zurück. Zunehmend musste ich mich mit diesen „neuen“ Verhältnissen auseinandersetzen und dabei sehr viel Elend mit ansehen. Ich lebte bildlich einen Spagat. Auf der einen Seite die sich dramatisch entwickelnde berufliche Situation, auf der anderen Seite das Leben innerhalb einer „heilen“ Welt um die anthroposophische Gemeinschaft der Waldorfpädagogik.

Mich tröstete ein Gedanke: ‚Der Mensch denkt und Gott lenkt’. Und das ist auch gut so – so kurz wie gut.

Mit ungläubigem Staunen nahmen die Bankleute meine Bitte zur Kenntnis, von ihnen aus betrieblichen Gründen gekündigt zu werden. Meine Einstellung zum Leben hatte sich verändert und ich meldete mich arbeitslos. Dies kam nicht von ungefähr, ich hatte bereits einen langen Weg hinter mir. Stillstand ist immer ein Schritt zurück. Es musste etwas Neues kommen. Der Plan war eine kleine soziale Einrichtung für seelepflegebedürftige Menschen. Wir wollten diese als Außenstelle der Lebensgemeinschaft Nordland in Breiholz aufbauen. Dies war Geburtsstunde unserer bis heute bestehenden Lebensgemeinschaft Eiderdrift.

Wir verkauften unser Domizil mit Seeblick und siedelten vorerst in die kleine Eigentumswohnung in Rendsburg um. Bereits ein Jahr später zogen wir nach Breiholz in das neue Objekt. Umziehen war wieder ‚IN’.

Zur Lebensgemeinschaft Nordland gehörte auch ein Traditionssegler von ungefähr fünfzig Fuß. Die „Ruth“ war ein im dänischen Esbjerg gebauter kleiner Haikutter. Wer mit dem Metier vertraut ist weiß, dass alte Holzschiffe eine nie versiegende „Baustelle“ sind. Ist man hinten angekommen, fängt man wieder von vorne an. Und dennoch, oder gerade deswegen verbrachten wir jegliche Ferien auf Motor- und Segeltörns mit den von uns zu betreuenden Menschen. Später kamen auch Jugendliche anderer Einrichtungen und Waldorfschüler hinzu. Viele dieser Törns fuhr ich als Skipper, einige andere als Betreuer. Elbe, Eider, Nord-Ostseekanal und natürlich die Ostsee waren jetzt unser Revier.

Wir erinnern uns an die Leitfragen dieses Textes: „Wie lange fährst Du schon zur See?“, und: „Machst Du das schon immer?“. Langsam schließt sich der Kreis. Es fehlt lediglich noch der Sprung zum heutigen Schiff Platessa, der „Prinzessin der Ostsee“, wie sie schon einige Male von Kennern der Szene liebevoll genannt wurde.