Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 6 von 8

Von hier aus betreute in nun meinen Arbeitsbezirk in Versicherungsfragen. Langsam begann ich, meine Freizeit wieder mit meiner alten Leidenschaft, dem Segeln auszufüllen. Wir kauften uns eine gebrauchten 20er-Jollenkreuzer und gaben ihm den Namen „Tertius“, frei nach einer vor Büsum liegenden Sandbank. Er bestand aus einer wunderschönen naturfarbenen Sommerfeldschale. Auch wenn die Kabine des Bootes im Inneren keine Stehhöhe hatte, so konnte die fünfköpfige Familie doch gut darin unterkommen. Friedriechstadt lag so günstig, dass man von hier aus sowohl Eider und Treene, als auch die Nordsee befahren konnte, was wir auch immer wieder gerne taten. Die Ostsee mit ihrem „Dänische Südseeparadies“ war es auch nicht weit. 

Der Friedrichstädter Segelverein, in dem ich mich inzwischen engagierte, benötigte einen Jugendwart. Schon immer übte die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine große Anziehungskraft auf mich aus und so schlug ich zu. Fortan trainierte ich also die „Lütten“ in den Optimisten und die älteren Kinder und Jugendlichen in den Europ-Jollen. Auch die praktische und theoretische Vorbereitung der Erwachsenen Mitglieder zur BR-Prüfung ließ ich nicht aus. Meine Segelabstinenz setzte scheinbar lang angestaute Energie frei. Wenn sich die Möglichkeit ergab, nahm ich mit unserem „Tertius“ an den Regatten in Büsum und Husum teil. Ich hatte wohl viel nachzuholen. 

Anno `72 war ich so weit, um das aller erste Optimisten-Trainingslager in Schleswig-Holstein zu organisieren. Das Camp wurde immer populärer, so dass die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr stetig stieg. Zwischenzeitlich erreichte dieses sportliche Abenteuer bis zu einhundertfünfzig Enthusiasten. 

In wirklich allen Lebenssituationen war es eine turbulente Zeit, beruflich wie auch privat. Nach drei Jahren „Inselerfahrungen“ wechselte ich zwar in den Versicherungsbezirk Norddithmarschen, blieb jedoch einem Eiland treu: Helgoland. Einmal monatlich setzte ich nun auf Deutschlands einzige und bekannteste Hochseeinsel über. Die Fähren verholten im Sommer von Büsum aus und im Winter von Cuxhaven, was in dieser Jahreszeit oft sehr abenteuerlich war. Aber egal, Hauptsache „Schiffchen-Fahren“. Wir waren jetzt fünf Jahre an diesem schönen Ort und es bahnte sich wieder eine neue Ära an. In Rendsburg wurde mir von der Versicherungsgesellschaft, welche sich inzwischen Colonia-National nannte, eine Generalagentur angeboten. Eine neue Herausforderung wartete auf mich. Und wie nicht anders zu erwarten, stand natürlich wieder der obligatorische Umzug ins Haus. Wehen Herzen verließen wir unser Kinderparadies in Friedrichsstadt und bezogen eine verschachtelte Zwei-Zimmer-Wohnung unterm Dach. Jetzt waren es vor allen Dingen die Kinder, die sich fürchterlich umgewöhnen mussten.

Am neuen Ort richtete ich mir mein eigenes Versicherungsbüro ein und fing an, den Versicherungsbestand zu durchforsten. Es fiel viel verwaltungstechnische Kleinarbeit an und auch die außendienstliche Kundenbetreuung musste organisiert werden. 

Im Laufe der Jahre erweiterte ich meinen Tätigkeitsbereich unter anderem um den Verkauf von dänischen XB-Ferienhäusern, sowie um die Haus- und Grundstücksmaklerei. Letztendlich gipfelte alles in einer Anstellung als Verkaufsleiter der Immobiliengenossenschaft für die Raiffeisenbank im Raum Rendsburg. Diese Jahre waren mit viel Freud und Leid verbunden und wohl die härtesten meines Lebens. Jedoch kein Schwarz ohne Weiß. Durch meine Immobilientätigkeit verbesserte sich unser Lebensstandard erheblich. Ein eigenes Einfamilienhaus mit Seeblick in Schacht-Audorf, sowie eine Eigentumswohnung in Rendsburg gehörten nun zum Inventar. 

Wie ging es aber unseren Kinder damit? Sicherlich haben die häufigen Ortswechsel und meine zeitraubenden Tätigkeiten ihnen nicht besonders gut getan. Erst mit dem Bau unseres Hauses trat für sie sichtliche Erleichterung ein. Jetzt konnten sie durch den Besuch der Freien Waldorfschule in Rendsburg entspannte Schulatmosphäre genießen. Als Erste wechselte Birte 1974 von der staatlichen in die vierte Klasse der Waldorfschule. Gunna und Meike wurden direkt zum Schulbeginn dort eingeschult.