Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 5 von 8

Eine neue Berufsplanung musste her. Wie schon erwähnt, kamen technische Bereiche nicht mehr in Frage. Nach reichlicher Überlegung  näherte ich mich langsam dem Ziel: „Medizinischer Bademeister" konnte ich mir vorstellen. Vorerst standen mir jedoch noch ein paar Wochen freie Ausbildungszeit zur Verfügung. Um diese Zeit sinnvoll zu nutzen, belegte ich kurz entschlossen ein Seminar für Fußpflege und Kosmetik. Später führte ich ein Jahr lang nebenberuflich kosmetische Behandlungen und Fußpflege nur auf Empfehlung direkt im Hause meiner Kundschaft durch.  Ich stellte fest, dass direkter und menschlicher Kontakt enorm verbindet.

Während dessen kümmerte ich mich um das für meine Zukunft erforderliche  Berufspraktikum und fand eine Stelle als Krankenpfleger im Schleswiger Martin-Luther-Krankenhaus. In der Männerkrankenstation der Inneren Medizin konnte ich so manchen Patienten mit den gerade erworbenen Kenntnissen in Fußpflege und durch Massagen verwöhnen. Während der folgenden sechs Monate bekam ich einen guten Einblick sowohl in die Pflegeaufgaben als auch in die Arbeit in Medizinischen Bädern. Leider musste ich auch während dieser Zeit einsehen, dass auch diese Tätigkeit auf Grund meines lädierten Rückens wohl nicht das Richtige für mich war. 

Aber Bademeister sollte es sein. Dann eben Schwimmbademeister! Hierfür hatte ich durch meine bisherigen Erfahrungen gute Voraussetzungen. Wissenslücken versuchte ich unter Anleitung eines älteren DLRG-Kameraden, welcher sozusagen als Mentor fungierte, in Form eines „erweiterten“ Praktikums in der Kappelner Badeanstalt und an unserem Ostseestrand zu schließen.

Es begann eine recht „schwimmsportliche Zeit“, welche mir in Kappeln eine gewisse Popularität bescherte. 

Um 1970 herum zog ein Finanz-Genie namens Bernie Cornfield durchs Land und begeisterte die Menschen, die ihm begegneten zur Geldanlage in Investmentfonds. Davon angesteckt ließen sich diese von ihm schulen, sammelten überall im Lande gesellschaftlich engagierte Persönlichkeiten um sich, um diese wiederum zu freischaffenden Mitarbeitern auszubilden. Natürlich ließ auch ich mich infizieren und betrat die berühmte Tretmühle der ‚Anlagenberatung im Außendienst’. Ihre Höhen und Tiefen bereiteten mir nicht selten schlaflose Nächte. Die offizielle Dienstzeit bei der Bundeswehr lag hinter mir. Die monatlichen Übergangsgelder halfen mir vorerst über das schwere Los hinweg, nur auf Basis der Provisionen außendienstlicher Fremdakquise leben zu müssen. Und das, obwohl wir gut ausgebildet und hoch motiviert waren.

Und wieder schlug das Schicksal zu. Letztere Tätigkeit führte mich bald über einen alten Bekannten direkt zur National-Versicherung in Lübeck. Nach einer kurzen Ausbildung im Versicherungswesen und dem Verkauf übergab mir die Gesellschaft gleich einen eigenen Bezirk als Inspektor. Nordfriesland mit seinen Inseln Pellworm, Föhr, Amrum und Sylt, sowie den Halligen. Wohntechnisch konnten wir uns diesmal erheblich verbessern. Ade Ellenberg, Friedrichsstadt wir kommen! Wir bezogen in der ehemalig von Holländern gestalteten Stadt eine Riesenwohnung. Sechs Zimmer, zwei Balkone und der Flur maß ganze neun Meter. Eine wirklich extreme Veränderung. Die Krönung war, dass unser Haus an einer der berühmten Grachten lag und wir unser Ruderboot direkt vor der Haustür „parken“ konnten. Für die Kinder war es ein Spielparadies und bald entstand eine gute Hausgemeinschaft in diesem alten und gediegenem Objekt. In Kappeln hatten Schwimmaktivitäten aller Altersgruppen primär die Freizeit bestimmt. Damit war es nun vorbei. Zwar blieb ich dem Element Wasser treu, doch bis auf wenige Rettungsbooteinsätze während der Strandwachen ruhte das Seemännische noch immer.