Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 4 von 8

Die Aufgaben in der neuen Instandsetzungskompanie erforderten viel Organisationsgeschick. Wir hatten mit den beiden technischen Bereichen die Einheiten in gesamt Schleswig-Holstein zu versorgen. Viele Ersatzteile und Reparaturen mussten damals noch dezentral über zivile Firmen abgewickelt werden. Neben der Führung der neuen Kompanie in ihren Werkstätten handelte ich im ganzen Bundesland mit unterschiedlichsten Gewerken und Betrieben Rahmenverträge für die Bundeswehr aus und brachte diese zum Abschluss.

In meiner Freizeit stand die Seemannschaft  zu jener Zeit nicht im Vordergrund, sondern etwas anderes Man glaube es kaum. Es war das Schwimmen. Während meiner Zeit bei der Marine war ich, wie es sich natürlich für einen Soldaten gehört, sportlich aktiv und erwarb mit viel Anstrengung neben dem Sportabzeichen auch das silberne DLRG-Abzeichen, den Leistungsschein als Rettungsschwimmer. Dadurch angespornt intensivierte ich in Schleswig mein neues Hobby und betätigte mich wenig später bei der DLRG als Schwimmausbilder. Folgend erwarb ich das goldene Abzeichen und die Lehrbefähigung zum Ausbilden von Schwimmanfängern und DLRG-Rettungsschwimmern. Zusammen mit meinem Freund Heinz Klingbeil gründete ich an meinem Wohnort in Kappeln eine DLRG-Gruppe, samt Schwimmabteilung. Es war eine sehr abendfüllende „Freizeitbeschäftigung“! Meine beiden Töchter nahmen rege an diesem Geschehen teil. 1966 als „Zweite“ geboren, bewegte sich Gunna bereits wie ein kleiner Seehund im Wasser, ihrem Element. Natürlich war auch Birte begeistert mit von der Partie.

Aber wie war es doch gleich mit der Familiennähe? Diese strammen Dienstjahre verlangten mir viel Konzentration ab, förderten und forderten immer wieder mein  Organisationstalent und ließen auch ein gutes kaufmännisches Talent erkennen. Drei Jahre Wochenendpendler zwischen Schleswig und Kappeln. Seitdem immer wieder nach Itzehoe. Ein Sportunfall sollte meinem Leben eine vollkommen neue Richtung geben. Im zehnten Dienstjahr wurde ich, wie es im Amtsdeutsch so schön heißt, „außendienstlich untauglich“ und konnte somit nicht mehr zum Berufssoldaten zugelassen werden. Beim Hanteltraining hatte ich mir einen Wirbel verrenkt und dadurch angeknackst. Zum Glück gab es schon damals in Itzehoe ein Freibad mit Thermalsole. Durch mein intensives tägliches Training auf den fünfzig Meter langen Bahnen konnte ich mein Kreuz wieder weitestgehend stabilisieren, für eine berufliche Laufbahn beim Heer reichte es allerdings nicht. Ich musste mir ernsthafte Gedanken darüber machen, wie es im ungewohnten Zivilleben außerhalb von Kasernen und Werkstätten weitergehen konnte. Wie konnte ich meine reichhaltigen, in Beruf und Freizeit erworbenen Erfahrungen nutzen, um damit genug Geld zu verdienen? Ich musste meine Familie ernähren.

Inzwischen schrieben wir das Jahr 1968 und es stellte sich das sprichwörtliche „Glück im Unglück“ ein. Durch die Vollendung des zwölften Dienstjahres erwarb ich den Anspruch auf berufliche Wiedereingliederung, so dass ich die letzten anderthalb Jahre meiner Zeit bei der Armee damit verbringen durfte, eine weitere Ausbildung zur Vorbereitung auf mein ziviles Leben zu absolvieren. Ich war immerhin bereits einunddreißig Jahre alt und stand mal wieder völlig am Anfang. Nach langem Abwägen entschied ich mich gegen eine technische Tätigkeit. Auch gab die Geburt von Meike, unserer dritten Tochter, dem Leben neuen Schwung. 

Wir waren auch wieder einmal umgezogen. Diesmal „nur“ innerhalb des Ortes. Aus der großen Wohnung, der mit Balkon und Blick auf den Hafen, ging es zur Abwechslung ins Neubaugebiet. Drei Zimmer in Kappeln-Ellenberg, auf der gegenüberliegenden Seite der Schlei. Beengtes Wohnen, das Neubaugebiet, große Mietshäuser – all das war für die Familie eine große Umstellung. Zum Glück war der Weg zum Ostseestrand in Öhe-Drecht nicht sehr weit und gleich um die Ecke sorgte das Schwimmbad für Abwechslung, damit auch das Leben mit den Badefreunden für Ausgleich.