Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 3 von 8

Im Hafen warteten ein paar Boote auf bessere Zeiten. Eines Morgens bummelte ich unausgelastet durch die Gegend und entdeckte am Steg sowohl einige alte Marinekutter, als auch eine wunderbare 7-KR-Segelyacht. Für mich ging die Sonne auf. Ich setzte es mir in den Kopf, diese Boote wieder in Gang zu bringen. Aber ‚zum Glück’ gab es ja den leidlichen Dienstweg: Ideenfindung, Rahmenbedingungen klären, Ausbildungskonzept erstellen, Vorsprechen beim Vorgesetzten und Vorlage beim Standortkommandanten, der das Projekt tatsächlich absegnete. Es konnte losgehen! Inhaltlicher Grundgedanke war, mit meinen Kameraden, die überall aufgabenlos herumgammelten, gemeinsam die Boote in Schuss zu bringen, die Jungs langsam an das Segeln heranzuführen und sie dadurch für das seemännische zu begeistern.

Mein Plan ging auf. Nach und nach machten wir mit der Yacht das Revier unsicher. Wir fuhren um Borkum herum, besuchten Delfeyl in Holland, auch die Küstenstädte Emden und Aurich ließen wir nicht aus. So wurde diese ‚arbeitslose Lücke’ sinnvoll geschlossen und blieb allen Beteiligten guter Erinnerung.

1962 heuerte ich bei der Marine ab. Zum einen wollte ich mich zivilberuflich neu entwickeln, zum anderen heiratete ich im Herbst dieses Jahres meine Frau Inge. Ein räumlich getrenntes Familienleben kam für mich nicht in Frage. Nach wohnlichem Zwischenstopp im Elternhaus am Meldorfer Hafen bezogen wir ein Zimmer über einer Kneipe in Barsfleth. Im Frühjahr 1963 kam unsere erste Tochter, Birte, zur Welt. Ich bekam kurzfristig eine Arbeitsstelle bei der DEA in Hemmingstedt. Bei klirrender Kälte führte ich Montagearbeiten im Außenbereich der Firma durch.

Im Jahre 1963 hatten wir auch die erste wirtschaftliche Rezession nach dem Krieg. Gerade hatte ich ein Aufbaustudium zum Maschinenbautechniker abgeschlossen. Und nun? Im Norden gab es für Maschinenbautechniker keine Anstellungsmöglichkeiten. Anders in Deutschlands Süden. Aber sollte ich wirklich „neu anfangen“ und für einen monatlichen Verdienst von 600,- DM brutto, was auch damals nicht besonders viel war, so weit „verholen“, keine Seeluft mehr schnuppern dürfen? Natürlich konnte ich mich nicht dazu entschließen.

Im folgenden Jahr führte mich mein Lebensweg zurück zur Bundeswehr. Um an Land und dadurch meiner Familie nahe zu sein, diesmal allerdings zum Heer. Erste Dienststelle wurde die Instandsetzungskompanie ausgerechnet auf der „Großen Freiheit“ in Schleswig. Panzer- und Pkw-Instandsetzung. Der Umstieg von der Schiffsmotorentechnik auf die der Landfahrzeuge war eine totale Herausforderung und bedurfte intensiven Lernens. Letztendlich kam sogar ein weiterer Gesellenbrief in Kfz-Technik dabei heraus. Mein Dritter!

Meine Wiedereinstellung bei der Bundeswehr war natürlich mit einem Umzug verbunden. Von unserem Zimmer über der Barsflether Kneipe zogen wir nun in eine Vier-Zimmer-Wohnung nach Kappeln. Mit großem Balkon und Blick auf den Hafen! Ebenso wie mein neuer Arbeitsort Schleswig liegt Kappeln an der Schlei, einem für mich bisher unbekannten Gewässer.

Im Sommer 1966 bescherte mir meine Versetzung nach Itzehoe ganz neue Aufgaben. Es sollte eine neue Instandsetzungskompanie speziell für ABC- und Pioniergeräte aufgebaut werden. Der ABC-Bereich war für die Reparatur von kleinsten Messgeräten bis hin zur Wartung großer LKWs, ausgestattet mit ganzen Entseuchungsanlagen, zuständig. Für die Pioniere arbeiteten wir unter anderem an Klappspaten, Sturmbooten, Pontonfähren, großen Straßenbaumaschinen und vielem mehr. Nun kamen mir als eingesetztem Inst.Offizier meine vielseitigen Erfahrungen als Schmied, Maschinenbautechniker, Kfz-Mechaniker und inzwischen auch als „Arbeitsvorbereitendem“ sehr zu Gute.