Mein Lebenspfad zum Seemann und Pädagogen: Seite 2 von 8

Gegen Ende des achten Schuljahrs kamen Ärzte in die Schule. Alle Schüler sollten hinsichtlich ihrer beruflicher Möglichkeiten untersucht werden. „Zum Seemann zu klein und zu schwächlich!“, lautete die niederschmetternde Prognose. Wie war meine Enttäuschung groß! Jedoch folgte schon bald ein neuer Gedanke: „Ich werde Schiffszimmermann und fahre so zur See.“ Na ja, leider war zu diesem Zeitpunkt keine Lehrstelle frei. Auch nicht bei der Fischkutterwerft der inzwischen gut befreundeten Familie Bieritz, welche gerade von unserem Innenhafen nach Friedrichskoog umgezogen war. 

Nun war guter Rat teuer. Schulabschluss`52 und noch immer keine Lehrstelle. Eines Tages kam mein Vater nach Hause und hält mir die Zeitung mit der Anzeige: „SUCHE SCHMIEDELEHRLING!“ vor die Nase. Was mir nicht alles durch den Kopf ging. Zum Seemann ungeeignet, zu klein und zu schwach, und nun das hier? „Ich bin wohl ein Esser zu viel am Tisch! Kein Wunder bei einer Familie mit inzwischen sieben Kindern“, meine Gedanken rasten. Das musste mir keiner zweimal sagen. Ich bebte innerlich. 

Also wurde ich Schmied. Vorerst lernte ich das Landleben in der Dithmarscher Marsch rund um Barsfleth ausreichend kennen um dann später, als Geselle, noch einmal ein arbeitsreiches und lebenslustiges Jahr jenseits Meldorfs auf dem Geestgrat in Windbergen zu verbringen.

Während der ganzen Zeit blieb ich beim Segeln. Im Alter von siebenzehn Jahren hatte ich beim „Meldorfer Segelverein“ meinen BR-Schein gemacht. Inzwischen hatte ich auch Schwimmen gelernt. Käptain Glorian hatte uns jungen Leute sehr intensiv mit viel Geduld auf diese Prüfung vorbereitet.

Es folgte das Jahr 1955. In diesem Jahr wurde die  Bundeswehr gegründet. Auch die ehemaligen Marineoffiziere aus meinem Umfeld meldeten sich freiwillig zum Wiederaufbau der Seestreitkräfte. Das war nun endlich mein Einstieg in die Seefahrt! Die Taschen voll dicker Empfehlungsschreiben bewarb ich mich aus freien Stücken zur Ausbildung in Wilhelmshaven um meinen Dienst als Zeitsoldat bei der Marine anzutreten. Und, juchhu, es klappte! Von wegen zu klein und zu schwächlich. Aber es kam, wie sollte es anders sein, jedoch anders als man denkt. Ich wurde nicht Seemann, und erst recht nicht Nautiker - ich wurde Maschinist!

Sechs gute Jahre diente ich bei der Marine. Meine maximale Fahrtzeit betrug, mit Unterbrechungen, zwei Jahren auf See. Die Zeiten an Land waren unter anderem ausgefüllt mit Besuchen der fachtechnischen Schulen und als Ausbilder. Während dieser Zeit war ich anderthalb Jahre bei der Werfterprobung in Hamburg stationiert. Man kann sich vorstellen wie mich diese Zeit, in meinem jugendlichen Elan, besonders geprägt hat. Hamburg, und das in dem Alter.

Bewusst konnte ich meine ersten pädagogischen Fähigkeiten während der Dienstzeit als Ausbilder der Rekruten in Glücksstadt entwickeln. Die Kaserne hatte eine Sporthalle mit Außenanlagen, sowie ein Schwimmbad. ‚Jung und dynamisch’, wie ich in dem Alter eben war, führte ich die Rekruten nicht nur während der Dienstzeit, sondern auch nach Feierabend an die unterschiedlichsten Sportarten heran. Die jungen Soldaten meiner Gruppe legten am Ende ihrer Grundausbildung meist das Deutsche Sportabzeichen und die DLRG-Befähigung in Bronze ab, zumindest jedoch einen der beiden Scheine.

Um seemännisch nicht aus der Übung zu kommen, besserte ich meine Segelkenntnisse in dieser Zeit bei gelegentlichen Regatten auf der Elbe und Skipper auf Marineyachten während der „Kieler Woche“ auf.

Zum Ende meiner Dienstzeit konnte ich dann noch Hobby und Beruf auf einen Nenner bringen. Die letzten drei Monate wurde ich auf die nordfriesische Insel Borkum abkommandiert. Auftrag war, eine Wartungsstelle für Bootsmotoren ins Leben zu rufen. Aber es fehlten einfach alle Voraussetzungen. Kein Geld, kein Plan, kein Material und überhaupt. Leider war ich, ebenso wie meine dem Projekt zugeteilten Kameraden, praktisch ohne sinnvolle Beschäftigung auf dieser Insel gestrandet.