Bordnachricht vom 29.11.2017

Meine offiziell letzte Fahrt auf der „Platessa von Esbjerg“

von Ewald Huß
 

Aus allen Himmelsrichtungen trudelten die Mitsegler/innen am Freitag den 10.11.2017 in Eckernförde an Bord der Platessa ein. Wie üblich gingen wir alle zu unserem Lieblings-Griechen Sefko und nahmen das Probeessen für den Samstag ein.

Am nächsten Morgen versammelten sich 22 Menschen um die Back der Platessa und gemeinsam sprachen wir unseren Morgenspruch:

 

„Der Sonne Licht es hellt den Tag nach finstrer Nacht, der Seele Kraft sie ist erwacht aus Schlafes Ruh, du meine Seele sei dankbar dem Licht, es scheint in ihm des Gottes Macht, du meine Seele sei tüchtig zur Tat.“

 

An das Frühstück schloss sich eine Vorstellungsrunde an und es stellte sich heraus, dass sehr viele „Platessa-Generationen“ vertreten waren. Der Grundtenor der Runde: „Wir sind gerne an Bord und genießen die vertrauensvolle Gemeinschaft und das handfeste Segeln auf der Platessa.“.

 

Um 10.30 Uhr war es dann so weit, “Alles klar zum Ablegen!“ und „Sind alle da? Hat jemand mal durchgezählt?“ „Laut Liste sollen wir 30 Leute sein.“ „Stefan, als erster Bootsmann musst du mal durchzählen!“. Es waren also 30 Leute in dicker Segelmontur an Deck und wuselten um her auf der Suche nach der ihnen zugeteilten Leine. Leinen los und auf geht’s in Richtung offenes Wasser.

Gemeinsam wurden Besan, Fock und Klüver gesetzt: Kurs Eckernförder-Bucht. Zu Beginn war der Himmel noch grau und bedeckt, jedoch kämpfte die Sonne sich ihren Weg durch die Wolkendecke. So hieß es bald; „Mittelplane weg und klar zum Großsegel setzen!“. Mit einem Raumschot-Kurs ging es dann bei mittlerer Brise und Sonnenschein weiter mit Kurs 70°.

Es waren genug Steuerleute an Bord, sodass ich mich unter die lieben Freunde/innen gesellen und viele schöne Gespräche führen konnte. Für das leibliche Wohl war durch reichlich mitgebrachte Speisen der Mitsegler auch gesorgt. Es wurde am laufenden Band Kaffee und Tee gekocht um die Körper bei 11°C warm zu halten.

Um 12 Uhr fuhren wir eine Wende und fingen an in Richtung Eckernförde zurück zu kreuzen. Der Wind ließ etwas nach und drehte von Südwest über West auf Nordwest. Auf der Streubordseite brauten sich einige dunkle Wolken zusammen, welchen ich mit einer vorzeitigen Wende zu unserem Vorteil aussegeln konnte. Nach ein paar weiteren Kreuzschlägen waren wir endlich auf Höhe des Marinehafens. Dort bemerkte ich eine kräftige weiße Regenwand, welche sich uns aus Nordwest näherte. Ich versuchte erneute die Böe durch eine vorzeitige Wende auszusegeln. Denkste, die Böe war schneller als gedacht und erwischte uns mit einem kräftigen Hagelschauer. Der Schauer war begleitet von einem kräftigen Blitz der den Himmel wie ein Feuerwerk erhellte und einem Donner wie ein Paukenschlag. Anschließend wieder Stille, kein Wind nur Hagel der das Deck langsam mit einer weißen Schicht bedeckte. Dank der vielen fachkundigen Seeleute konnten die Segel geborgen werden bevor die Böe uns erreichte.

Der Hagel fiel so dicht, dass wir den Hafen von Eckernförde nicht mehr sehen konnten, an der Backbordseite jedoch war strahlender Sonnenschein zu sehen. Am Himmel spannte sich ein Regenbogen nach dem anderen und wir waren mittendrin.

Als der Schauer vorüber war fuhren wir mit der Maschine Richtung Hafen, unterwegs wurden die Segel eingepackt und das Deck aufgeklart.

In den vier Stunden in denen wir auf der Bucht unterwegs waren haben wir so viel verschiedenes Wetter erlebt, dass es kaum zu beschreiben ist.

Gegen 14.20 Uhr machten wir im Außenhafen von Eckernförde fest und wurden dort von dem Journalisten Christoph erwartet. Christoph machte Fotos von meinem letzten Anlegemanöver und interviewte uns nach der Abschlussrunde, in der jeder seine Eindrücke des Tages mit den anderen teilen konnte. Es gab viele bewegende Worte und es flossen einige Tränen.

Nach der Runde wurde noch ein Gruppenfoto auf dem Achterschiff gemacht, bei dem symbolisch das Steuer an die Nachwuchsskipper Jakob Stierbach und Klaus Hueck übergeben wurde. Während an Deck alles aufgeklart wurde, bereiteten fleißige Hände unter Deck Kaffee und Kuchen vor. Mit 30 Leuten war die Messe gut gefüllt, es war jedoch noch Platz für alte Erinnerungen und Geschichten aus den letzten 23 Jahren.

Am Abend trafen dann 35 Menschen zum feierlichen Abschlussessen bei Sefko ein. Alle waren feierlich gekleidet. Könnt ihr euch Jakob schick gekleidet und unsere Bootsfrauen nicht in Hosen sondern in Kleidern vorstellen? Eben, das ganze war schon ein verrückter Anblick.

Dann gab es noch eine große Überraschung für mich. Klaus übergab mir mit einem verschmitzten Lächeln ein Ringbuch mit vielen persönlichen Beiträgen und Fotos verschiedener Mitsegler/innen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich werde dieses Buch wohl immer wieder zur Hand nehmen und in Erinnerungen schwelgen.

Mir ist oft die Frage gestellt worden ob ich nun über mein Ende auf der Platessa traurig bin. Nun, die Zeit ist reif, Jakob und Klaus sind bereit und ich freue mich, dass die Platessa mit einer sehr guten Crew von Bootsleuten und fördernden Mitgliedern weiterhin die Ostsee durchkreuzen kann.

Ich bedanke mich bei allen Mitseglern/innen die mich während der letzten 23 Jahren auf der Platessa und im Leben begleitet haben.

Ewald Huß